Friedhof – ein Angebot, das 2000 Jahre alt ist und große Erfahrung und Tradition hat…

Der Friedhof gehört fest zur Kultur des Menschen, aber über seine gesellschaftliche Bedeutung machen wir uns kaum Gedanken. Dabei ist der Friedhof  kein Ort wie jeder andere. Man kann dort nicht nur trauern und Trost finden: er bietet auch Ruhe und Raum zum Entspannen, lässt die Menschen Hoffnung schöpfen und neuen Mut gewinnen. Trauernde finden hier einen geschützten Rahmen, um sich von den Verstorbenen zu verabschieden und um ihrer zu gedenken. Durch den Umgang mit Blumen und Pflanzen und durch das Betrachten der  oft  sehr schön angelegten Gräber, kann die Trauer besser verarbeitet werden und positive Gefühle, wie Wohlbefinden, Entspannung und Heimatgefühl können entstehen. Manch Friedhof ähnelt einer gepflegten Parkanlage und übernimmt  damit sogar eine wichtige klimatische und ökologische Funktion.

Wir brauchen einen Ort zur Trauer, an dem wir eine Blume ablegen können

Dr. Margot Käßmann weist darauf hin, dass das Christentum einer würdevollen Bestattung verpflichtet ist. Lactantius hat schon um 300 nach Christus die Bestattung als das siebte Werk der Barmherzigkeit im Christentum erklärt und aus den Gemeindeordnungen des fünften Jahrhunderts ist zu erkennen, dass es schon damals zu den Pflichten der Diakone gehörte, auch unbekannte Tote zu waschen, zu kleiden und zu bestatten.

„Wo bleiben die Toten?“ 

Lassen Sie uns auch Kinder mit auf unsere Friedhöfe und zu Beerdigungen nehmen! Denn Kinder fragen. Sie fragen auch: „Wo bleiben die Toten?“  Margot Käßmann: „Ich finde es wichtig, ein Kind zu einem Friedhof mitzunehmen und ihm zu zeigen, das Leben endet nicht mit dem Tod, sondern die Beziehung der Menschen zueinander geht über den Tod hinaus. Der Friedhof beheimatet uns alle; als ein Garten des Friedens, ein Ort, der ein Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit gibt. Ein Ort, an dem wir auf dem Grabstein lesen, wie kurz oder wie lang beispielsweise ein Leben war, an dem wir uns an eigene Familienmitgliedererinnern, Geschichten weitergeben aus dem Leben unserer Familie oder unserer Nachbarschaft. Wir vergessen die Toten nicht, sie sind Teil unseres Lebens. Wir erinnern ihre Namen“.

Gerade in einer Zeit der Mobilität, in der feste familiäre Bindungen auseinander zu fallen drohen, sind unsere Friedhöfe als Ort der Erinnerung wichtig.