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Kirche zu Nusse

Eine Kirche in Nusse wird in einer Urkunde des Bistums Ratzeburg im Jahre 1158 erwähnt. Dorf und Kirche sind jedoch wesentlich älter gewesen. Das älteste Gotteshaus muß man sich als Holz- oder Feldsteinkirchlein vorstellen. Es wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von einem romanischen Gewölbebau abgelöst. Die alte Nusser Kirche, die bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts stand, war nach Untersuchungen des Lübecker Stadtbaumeisters Spetzler aus der dreischiffigen romanischen Pfeilerbasilika hervorgegangen. Bei einem Brand im August 1821, bei dem fast das gesamte Dorf zerstört wurde, erlitt auch die Nusser Kirche Schäden. Die romanische Kirche wurde 1838 zugunsten eines Neubaues abgebrochen. Dabei wurden die alten Grundmauern wiederverwendet. Es entstand ein dreischiffiger “Bauerndom”, der im Mittelschiff von einem Tonnengewölbe bedeckt ist. Das Kircheninnere mit dem charakteristischen Kanzelaltar hat weitgehend das spätklassizistische Aussehen der Erbauungszeit von 1839 bewahrt.

 

Kirche zu Behlendorf

Eine Kirche wird in Behlendorf seit 1250 bezeugt. Sie gehörte zunächst zum Kirchspiel St. Georg in Ratzeburg. 1319 wird eine selbständige Pfarre Behlendorf erwähnt. Die Kirche ist ein Beispiel des Übergangsstils von der Romanik zur Gotik. An die Gotik erinnern die hohen Fenster. Sie tragen seit 1603 die farbigen Wappen bekannter Lübecker Familien. Die Bleiverglasung stammt von 1866. Das einschiffige Gotteshaus besteht aus einem zweijochigen überwölbten Langhaus und einem etwas schmaleren rechteckigen Chor, der gleichfalls ein Kreuzrippengewölbe trägt. Die Mauern sind überwiegend aus Feldsteinen erbaut, Giebel, Fenster, Friese und Türumfassungen sind in Backstein ausgeführt, ebenso der später errichtete Turm. An den Chor ist im Norden die Sakristei angefügt, die früher als Grabkapelle diente. Insbesondere der Chor ist mit Wandmalereien geschmückt, die noch aus dem 13. Jahrhundert stammen.

 

Geschichtsdaten kurz und knapp

1158 erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Nusse, zum Kirchspiel gehören folgende Dörfern: Nusse, Walksfelde, Poggensee, Hagen, Stenborg, Kühsen, Duvensee, Ritzerau, Manau, Bergrade, Koberg, Klinkrade, Sirksfelde, Lüchow, Sandesneben, Schiphorst, Linau und Helle

Anf. 13. Jhd. Bau einer großen romanischen Kirche auf den jetzigen Grundmauern

1370 Die Kirche Nusse, das Dorf und Teile Duvensees werden von Herzog Erich III. an Lübeck verpfändet.

1531 Hansestadt Lübeck wird lutherisch. Bugenhagen bleibt ein Jahr in Lübeck um eine protestant. Kirchenordnung für Lübeck zu erarbeiten. Hierbei werden auch die Exklaven u.a. Behlendorf und Lübeck besonders erwähnt.

1560 Johannes Hasenfeldt ist der erste luth. Pastor in Nusse.

1774 An der Westseite der Kirche wird ein Glockenturm gebaut.

Die Hufner und Halbhufner des Kirchspiels mußten sich mit 4 bzw. 2 Reichstalern beteiligen.

1813 – 14 der sog. Kosakenwinter, französische Besatzungszeit aus dieser Zeit sind im Pastoratsgarten noch der Laubengang sowie die Kastanienhecke vorhanden.

01.05.2009 Der Kirchenkreis Lübeck ist in dem neuen Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg aufgegangen.

1914/15 Das Kirchendach wurde verändert und ein stattlicher Turm an die Kirche gebaut.

1978 Die Kirchengemeinden Nusse und Behlendorf schließen sich zusammen.

29.08.1821 – Das Dorf Nusse brannte fast vollständig ab. Von 51 Gebäuden wurden nur 14 verschont. Die Kirche war stark in Mitleidenschaft gezogen.

 03.12.1836 – Das Gewölbe über dem Chorraum der Kirche stürzte nun auch noch ein. Der Abbruch und ein Neubau auf den alten Fundamenten wurde beschlossen.

 08.09.1839 – Die neue Kirche wurde geweiht. Von dem alten Inventar konnte leider nur sehr weniges in die neue Kirche gerettet werden. Die neue Kirche bekam nun auch eine moderne Orgel (von Orgelbauer Vogt aus Lübeck) mit fast 1000 Pfeifen.

1914/15 Das Kirchendach wurde verändert und ein stattlicher Turm an die Kirche gebaut.

1978 Die Kirchengemeinden Nusse und Behlendorf schließen sich zusammen.

 01.05.2009 Der Kirchenkreis Lübeck ist in dem neuen Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg aufgegangen.

Ein Wegweiser durch die Kirche zu Nusse

(aus der Chronik aus dem Jahre 1958)

Die jetzige Kirche wurde 1938 erbaut; das schwere Dach und der Turm wurden 1914/15 errichtet.

Friedhof (Kirchhof)

Einziger alter Grabstein von Pastor Satori und Frau. Evtl. sind noch alte Grabsteine in der Kirche unter dem Gestühl; dort hatten z.B. die Müller aus Ritzerau und Mannhagen in den Boden eingelassene Mühlsteine als Grabdenkmäler.

Ehrenmal

Auf dem Kirchhof, hinter dem Chor der Kirche, eingeweiht am 01.10.1922. Der Füllboden wurde durch freie Fuhrleistungen herbeigeschafft; die Steine stiftete der Hufner Meins, Sirksfelde, von seinem Grund und Boden. Die Kosten in Höhe von 36.647,16 Mark wurden durch Sammlung in der Gemeinde bestritten. Eine Gedenkstätte für die Gefallenen des 2. Weltkrieges fehlt leider noch.

Pastoratsgarten

Laubengang aus Weißbuchen, unter Naturdenkmalschutz, der mündlichen Überlieferung nach von einem napoleonischen Oberst angelegt. Vorbild ist auf jeden Fall die französische Garbenkunst, Anfang des 19. Jahrhunderts Bemerkenswert ist die Kastanienhecke auf der Südseite des Gartens. Leider fielen viele alte und seltene Bäume den Kriegs- und Nachkriegszeiten zum Opfer.

Inneres der Kirche

 

Die Kirche steht mit den Pfeilern auf den Grundmauern der alten romanischen Kirche. Alle alten Kunstwerke , die den 30-jährigen Krieg überstanden, sind bei dem Neubau 1837/39 verlorengegangen. Gesamtlänge der Kirche im Lichten: 34,20 m, Breite 16,10 m, lichte Höhe des Mittelschiffs: 12,10m. Der Turm steht nicht wie bei der alten Kirche vor der Westwand, sondern erhebt sich fast ganz über den Innenraum der Kirche.

Altar

Schon der alte, reich vergoldete Altar wurde durch ein „Schrankenwerk“ nach dem Hauptschiff abgegrenzt. Der jetzige Altar aus dem Jahr 1839 trägt über dem gemauerten Altartisch die schlichte Kanzel. Das Kruzifix stiftete Pastor Harder (1915 von Pomacke, Berlin, geschnitzt). Der früher in der Apsis isoliert stehende Altar wurde 1915 vorgerückt und schließt nun mit zwei Türen den Chor vollkommen ab. Über den Türen befinden sich Kopien nach Carlo Dolcis Gemälden des Brot brechenden Christus und des Evangelisten Johannes.

Taufe

Der älteste Taufstein aus dem 13. Jahrhundert steht in der Museumskammer der Kirche, gehauen aus gotländischem Kalk, 61 cm hoch und 73 cm oberer Durchmesser, anfangs westseitig aufgestellt, 1775 in den Altarraum verlegt, ursprünglich mit Deckelaufbau und Schrankenwerk. Seit Abbruch der alten Kirche stand er im Hofraum des Gastwirts Ehlers in Nusse. Später stark zerstört in einer Scheune und seit den 20-iger Jahren an dem jetzigen Platz. Ein 1839 angefertiger Taufstein steht jetzt ebenfalls in der Kammer. Der jetzige Taufstein wurde 1913 von Hauptm. Bartenstein gestiftet.

Kanzel

Von der alten Kanzel (vor 1615) sind nur zwei Füllbretter erhalten. Das eine trägt in erhabener Schnitzarbeit den Spruch: Gades Wort is de levendige Sprinckborne, Psa 36, das andere den Namen und das Wappen des Nusser Pastors Mag. Joh. Hagedorn (1596-1618).

Die jetzige Kanzel ist, wie oben erwähnt, in die Altarrückwand eingebaut. Eine schon aus akustischen Gründen dringend notwendige Verlegung an einen der Pfeiler, wo sie sich auch in der alten Kirche befand, wurde bei dem letzten Umbau wegen Geldschwierigkeiten noch einmal verschoben. Die sehr wenig schönen und jetzt bereits stark brüchigen Vorhänge hinter dem Altar wurden ebenfalls beim letzten Umbau angebracht. Die beste Lösung um eine störende Lichteinwirkung zu vermeiden, wäre eine bunte Verglasung der hohen Chorfenster.

Orgel

In der alten Kirche stimmte der Küster die Lieder an. Der Gesang wird wohl wesentlich kräftiger als heute gewesen sein, da Singen in der alten Zeit in den Schulen neben Religion das zweite Hauptfach war. Die jetzige Orgel wurde 1840 von dem Orgelbauer Theodor Vogt aus Lübeck gebaut.1957 wurde die Orgel durch den Orgelbauer Klaus Becker, Kupfermühle, indisponiert, restauriert und im Prospekt neu gestaltet. Ihre 17 Register bringen 933 Pfeifen zum Klingen

Gestühl

Zwei von dem Gestühl der alten Kirche stammende ca. 35 cm lange Füllungen mit von barockem Schnörkelwerk umgebenen Masken von ca. 1675 sind seit den 1920er Jahren leider spurlos verschwunden.

Aus der zweiten Kirche ist noch eine große Rückwand mit ornamentalen Schnitzereien in der Museumskammer vorhanden. Das jetzige Gestühl stammt aus der Zeit des letzten Umbaus.

Gemälde

Die schon erwähnten Kopien in der Altarwand.

Ein auf Holz gemaltes Ölbild, die Verkündigung darstellend, mit reicher Frührenaissancearchitektur aus den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhundert, wohl niederländischer Herkunft.

Eine ebenfalls auf Holz gemalte Darstellung des Abendmahls aus dem 17. Jahrhundert.

Je zwei Porträts der Pastoren Satori und Lindenberg.

Eine gusseiserne Darstellung des Abendmahls nach Leonardo da Vinci von 1890.

Altargerät

Das Altarpult, aus Messingplatten zusammengenietet, trägt die ausgetriebene Inschrift: Jochim Bene, Anno 1647 den 3 Marci, es handelt sich hierbei um einen Benn aus Mannhagen.

Leuchter

Die alten Leuchter wurden bei einem Einbruch in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 1708 gestohlen. Die jetzigen 6 Altarleuchter und drei Kronleuchter und die von Konfirmanden und Gemeindegliedern geschenkten Wandleuchter stammen aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Totenbahre

Eine von 1722 befindet sich in der Museumskammer.