Nun hängt ein Engel als Lichtträger in der Behlendorfer Kirche gegenüber der Kanzel. Dabei hat er seine ganz eigene Geschichte…

Im Sommer 2010 machte das Ehepaar Willers Urlaub in Behlendorf. Urlauber sehen sich gerne Kirchen an. So auch Frau Willers. Sie war so von der kleinen Behlendorfer Kirche fasziniert, dass sie ein weiteres Mal mich um den Schlüssel bat. Wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie Musikerin sei und gerne mal in der Kirche ihre Violine spielen würde. Und Frau Willers sprach von einem Engel, der seinen Platz endlich gefunden habe.

Viele Wochen später stand Frau Willers wieder vor meiner Tür. Sie habe den Engel dabei, ob ich ihr nicht helfen könnte? Da war er – schwer, aus Bronze gegossen – in meinen Armen. Zwei Flügel, ein zartes, hübsches Gesicht, in den Händen hält er einen Kerzenständer – er sitzt auf einer Wolke, unter der ein Stern leuchtet. Das hört sich fast kitschig an. Aber dieser Engel ist ganz das Gegenteil. Er ist einzigartig – nein, das stimmt so nicht. Aber er ist der einzige bekannte Abguss aus dem 19. Jahrhundert, der von dem gotischen Originalengel aus dem Lübecker Dom stammt (Mitte des 15. Jahr-hundert). Die Domgemeinde hat just diesen Engel als ihr Siegelbild übernommen. Er hängt heute in einer Seitenkapelle. Und unser Engel: er stammt aus einer Senatorenfamilie Lübecks, den Vorfahren von Frau Willers. Sie hat den Engel, der seit Generationen zur Familie gehört, geerbt und nun einen Platz für ihn gefunden, wo er vielen Menschen leuchten kann.

Der Engel hat jetzt seinen Platz eingenommen, so als hänge er seit vielen Jahren da. Es ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich, dass Stiftungen und Spenden überreicht werden. Vielen Dank!